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Gemeinsam durch den digitalen Dschungel: Elternabende im Landkreis Roth bringen wichtige Erkenntnisse

Roth. Beim Essen, am Schreibtisch, unterwegs und eigentlich überall: Viele – und besonders Kinder und Jugendliche, haben das Smartphone ständig in der Hand. Nachvollziehbar, gibt es Heranwachsenden doch ein Gefühl von Gemeinschaft und Zugehörigkeit, bietet Unterhaltung, Entspannung und eröffnet Räume, in denen man sich ausprobieren und ausdrücken kann. Gleichzeitig aber eine Herausforderung für Familien und Grund, eine Elternabendreihe zu dem Thema zu veranstalten.


Das Handy und seine Nutzung im Alltag macht Erziehung oft zur Fahrt im dichten Nebel, weiß Christine Waitz vom Bildungsbüro des Landkreises, das die Veranstaltungen federführend organisiert hat. Auf Fragen wie „Wann ist es genug?", „Wie gelingt eine gesunde Balance?" und „Was macht die digitale Welt eigentlich so unwiderstehlich?" gibt es oft nur vage Antworten. Die Reihe der „Schulübergreifenden Elternabende“  hat deutlich gezeigt, dass Eltern im Landkreis dem Thema nicht länger im Alleingang begegnen wollen. Die vier Veranstaltungen in Roth, Allersberg und Heideck verzeichneten so viele Teilnehmer wie seit Jahren nicht. „Das ist ein deutliches Indiz dafür, dass der Informationsbedarf stark gewachsen ist“, resümiert sie.


Oft über drei Stunden am Telefon

Aktuelle Studien untermauern dies. Laut der JIM-Studie (Jugend, Information, Medien) verbringen Jugendliche in Deutschland inzwischen mehrere Stunden täglich online – je nach Altersgruppe sogar oft über drei Stunden. Gleichzeitig gewinnt der Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) mit Instrumenten wie ChatGPT im Schulalltag spürbar an Bedeutung. Vor diesem Hintergrund überraschte es die Veranstalterinnen wenig, dass zahlreiche Eltern die gesamte Reihe wahrnahmen, um sich für den Alltag zu wappnen.


Bildungsbüro des Landkreises Roth, Kreisjugendring (KJR) und Evangelisches Bildungswerk (EBW) haben es einmal mehr geschafft, genau die Themen aufzugreifen, die in Familien immer wieder für Gesprächsstoff sorgen: die Anziehungskraft von Plattformen wie TikTok, mögliche Risiken exzessiver Mediennutzung („Lost in Screen“) und die Frage, wie ein verantwortungsvoller Einstieg ins erste eigene Smartphone gelingen kann – ein Schritt, der häufig bereits im Grundschulalter erfolgt.


In den Vorträgen und den oft lebhaften Diskussionen wurde schnell klar: Patentrezepte gibt es nicht. Stattdessen setzten die Referierenden auf alltagstaugliche Impulse und stärkten die Eltern in ihrer Rolle als Begleitende. Ein zentraler Gedanke zog sich durch alle Abende: Beziehung vor Kontrolle. Wer versteht, wie Algorithmen funktionieren, kann mitreden und muss nicht nur verbieten. Vereinbarungen wie gemeinsam erstellte „Mediennutzungsverträge“ mit klaren, auch offline verankerten Zeiten können Orientierung geben, ohne Fronten zu verhärten. Ebenso wichtig: Kinder und Jugendliche darin zu schulen, KI-generierte Inhalte kritisch zu hinterfragen.


Elternabende 2026

Gesamtgesellschaftliche Aufgabe

Gleichzeitig wurde betont, dass Medienerziehung keine Aufgabe ist, die Eltern im stillen Kämmerlein allein bewältigen können oder müssen. Sie gelingt am besten im engen Zusammenspiel aller Beteiligter – von den Erziehungsberechtigten über die Schulen bis zu allen Einrichtungen, in denen sich Kinder und Jugendliche aufhalten.


Ulrike Bartelt, Geschäftsführerin des Evangelischen Bildungswerks Roth-Schwabach, betonte den entlastenden Charakter des Formats: „Es ist wichtig zu merken, dass man mit den täglichen Diskussionen nicht allein ist.“ Tatsächlich war für viele die Erkenntnis, dass auch andere Familien über „nur noch fünf Minuten“ verhandeln, mindestens so wertvoll wie jeder fachliche Input. Es ging nicht um Perfektion, sondern um einen realistischen, ehrlichen Umgang mit der derzeitigen Lebenswelt.


Für Stefanie König vom Kreisjugendring Roth ist genau das der entscheidende Punkt: „Vielleicht ist das die wichtigste Erkenntnis dieser Abende: Nicht die perfekte Strategie entscheidet darüber, ob Medienerziehung gelingt, sondern die Qualität des Kontakts. Wer fragt, zuhört und dranbleibt, schafft Orientierung auch dort, wo es keine einfachen Antworten gibt.“


Christine Waitz bilanziert: Nach den Abenden gibt es zwar keinen fertigen Plan, der abgearbeitet werden kann, dafür aber etwas Wertvolleres. „Mehr Mut zum Gespräch und die Gewissheit, dass Erziehung auch im digitalen Zeitalter vor allem eines bleibt: Beziehungsarbeit.“

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